Swisswatches Patek Philippe Perpetual Calendar Ref 5320G 001 Grand Complications 011

Warum Patek Philippe's Ewiger Kalender Referenz 5320G aus der Reihe tanzt

Die Ewigen Kalender Uhren haben bei Patek Philippe einen besonderen Stellenwert. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass sie 1925 mit der Referenz 97 975 die erste Armbanduhr überhaupt mit dieser Funktion ausgestattet haben. Die Technik geht allerdings zurück auf den Uhrmacher Thomas Mudge, der 1864 die erste Taschenuhr mit Ewigem Kalender produzierte. Auch bei den Uhrenliebhabern haben die Ewigen Kalender Uhren von Patek Philippe einen besonders hohen Stellenwert eingenommen. Daher werden für viele, besonders ältere Referenzen bei Auktionen enorme Summen aufgerufen. Aber auch neuere Referenzen sind äußerst beliebt, und das trotz eines Listenpreises von gewöhnlich 100.000,- Euro aufwärts. Im Jahr 2017 präsentierte Patek Philippe aber einen Ewigen Kalender, Referenz 5320G, der etwas aus der Reihe tanzt. Warum eigentlich?

Schaut man sich die Ewigen Kalender Uhren von Patek Philippe in den letzten 90 Jahren an, so erkennt man eine klare Evolution, geprägt von bestimmten Merkmalen und Funktionen, die über die Jahrzehnte entstanden sind.  Mit der Referenz 96 im Jahr 1937 kam erstmals das Doppelfenster für die Tag- und Monatsanzeige sowie die Mondanzeige bei 6 Uhr zum Vorschein. Damals noch mit Retrograder Anzeige und dem Doppelfenster zentral positioniert. Bei der Referenz 1526 aus dem Jahr 1942 wurde das Doppelfenster dann erstmals unter 12 Uhr positioniert, wo es sich bis heute etabliert hat. In den 1940er Jahren erschienen immer mehr Referenzen mit Arabischen Ziffern und Punkten auf dem Ziffernblatt (zum Beispiel Referenz 1518).

In den 1960er Jahren änderte sich dann das Gehäuse-Design entscheidend. Die Gehäuse-Flanken verloren ihre Rundungen und wurden kantiger, die Bandanstöße spitzer. Eine davon war die Referenz 3449: sie wurde im Jahr 1961 nur drei mal produziert und gilt als die seltenste Patek mit Ewigem Kalender. Sie hat bei Auktionen mehr als eine Millionen Euro eingebracht. Durchgesetzt hat sich dann aber ab 1962 die Referenz 3448, die bis 1981 produziert wurde – solange wie kein anderes Modell bei Patek Philippe. Abgesehen von einer Rosegold und zwei Platinum Versionen, die vermutlich die Safes von eifrigen Sammlern hüten, ist diese Referenz das wohl kommerziellste Ewiger Kalender Modell von Patek Philippe.

Und das führt uns zurück zur Referenz 5320G. Als sie 2017 lanciert wurde, staunte man über den Preis, der mit 76'930,- Euro verhältnismäßig günstiger auf der Liste auftauchte, als die meisten Ewigen Kalender der Maison. Die 5320G ist ein Kompositum aus vielen Referenzen der letzten 90 Jahre. Die Mondphase bei 6 Uhr erinnert an die Ref. 96 von 1937. Das Doppelfenster unter 12 Uhr, sowie die Arabischen Ziffern und Punkte stammen u.a. von der Ref. 1526 von 1942 oder auch der Ref. 2497 von 1951. Die spitz zulaufenden Stabzeiger mit Leuchtbeschichtung sind inspiriert von der Ref. 1527 von 1943 oder Ref. 1591 von 1944, auch wenn Patek Philippe erwähnt, die Inspiration komme von der Ref. 1563 – mehr Ähnlichkeit können wir allerdings in der Ref. 1527 bzw. Ref. 1591 erkennen. Die Schaltjahranzeige, die ebenfalls die 5320G schmückt, wurde erstmals 1981 bei der Ref. 3450 integriert. Man sieht also, die 5320G ist wie eine gesunde Patchworkfamilie.

Am meisten Ähnlichkeit hat die Referenz 5320G von 2017 aber eben mit dieser eher kommerziellen Ref. 3448. Vielleicht war das der Grund für Patek Philippe, den Preis auch für ein kommerzielleres Publikum anzubieten. Rechtfertigen ließe sich der Preisnachlass auch mit zwei weiteren Gründen. Das Gehäuse wurde aus einem Monoblock gestanzt, also aus einem einzelnen Stück Weißgold produziert. Früher war es noch schweißtreibende Handarbeit, die verschiedenen kantigen Stufen in das Gehäuse und Bandanstöße zu arbeiten. Das Finishing wird natürlich auch hier noch von Hand gemacht.

Ein weiterer Grund könnte im Inneren der Uhr liegen, also dem Herzstück. Das Kaliber 324 ist ein Basis Werk bei Patek Philippe und läuft auch in einigen gängigeren Calatrava, Nautilus und Aquanaut Modellen. Es gab keine großartigen Werks-Innovationen und auch die Gangreserve von 45 Stunden ist eher Standard. Vielleicht hätte man den Fokus etwas mehr auf ein bestimmtes Herausstellungsmerkmal legen sollen. Der Patek Kenner und Sammler wird sich wohlmöglich nur schwer mit dieser Referenz identifizieren können, der Neueinsteiger bekommt zweifelsohne eine solide Ewige Kalender Uhr, und gleichzeitig noch 90 Jahren Firmen-Geschichte am Handgelenk.

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