Swisswatches Mbandf Founder And Creative Director Maximilian Buesser

Auf ein Lunch mit: MB&F CEO und Gründer Maximilian Büsser

Ein Gespräch mit Maximilian Büsser gleicht metaphorisch einer Achterbahnfahrt. Einer wilden Fahrt durch das menschliche Gemüt, geprägt von Euphorie und Freude, bevor man im freien Fall steil Richtung Mitgefühl steuert. Maximilian Büsser, der kreative kleine Junge von einst, ging später an die Industrie verloren, wo er für Profit und Wachstum verantwortlich war. In der Blüte seines beruflichen Lebens, erfolgreich, aber todunglücklich, kehrte er der vermeintlich so großartigen Karriere den Rücken zu und gründete die unabhängige Uhren Lab MB&F. Voller Enthusiasmus stürzte sich Büsser in die Arbeit, doch die ersten Rückschläge kamen schon bald. Bereut hat er den Schritt in die Unabhängigkeit aber nie, denn der kreative Mensch ihn ihm ist endlich zurückgekehrt. Wir trafen Maximilian Büsser in Genf, wo er im Jahr 2005 MB&F gründete und die M.A.D. Gallery steht, die erste mechanische Kunstgalerie der Welt. Im Interview erzählt uns der Gründer und kluge Kopf, den wir gerne den ‚Ridley Scott der Uhrenindustrie‘ nennen von den vielen Höhen und Tiefen in seinem Leben, dass er nicht dafür da ist, die Zeit anzuzeigen und warum die Brand seit 2013 finanziell stagniert – und warum das auch gut so ist. 

1. Was bedeutet für Sie eine mechanische Uhr? Welche Uhr tragen Sie heute und welche Uhr tragen Sie am häufigsten?


Mechanische Uhren haben im Prinzip mein Leben gerettet. Alles begann vor 28 Jahren, als ich durch Zufall Henry-John Belmont über den Weg lief, der zu dieser Zeit Direktor von Jaeger-LeCoultre war. Es war eine sehr ungewisse Zeit für mechanische Uhren und er bot mir einen Job an und fragte: „Willst du einer von wenigen sein, die diese Firma retten?“, und ich willigte ein. Ich habe zuvor Maschinenbau studiert, ein eher trockenes Terrain also – und durch meinen Eintritt in die Uhrenindustrie konnte ich Maschinenbau mit Ästhetik und Menschlichkeit verbinden. Darin habe ich letztendlich meine wahre Leidenschaft gefunden und Belmont wurde eine Art Ersatzvater für mich. Sie müssen wissen, dass mein Vater und ich uns nie besonders gut verstanden haben. Die Uhrmacherei ist ein wichtiger Faktor der dafür verantwortlich ist, wer ich heute bin. Ich war als Kind sehr kreativ, aber in der Schule immer der komische Typ der keine Freunde hatte. Durch die Uhrmacherei konnte ich zum ersten Mal stolz auf etwas sein, das ich gemacht habe. Es hat mich gewissermaßen geerdet. Das ist also meine ganz persönliche Bindung zu mechanischen Uhren.

Und heute trage ich die HM6, eines meiner Lieblingsstücke überhaupt. Ich wechsle gerne zwischen dieser und meiner Legacy Machine Perpetual, die durch die Zusammenarbeit mit Stephen McDonnell entstanden ist, der eine der komplexesten Komplikationen der Uhrmacherei neu erfunden hat, den Ewigen Kalender. Er ist das einzig wahre Genie, das ich jemals getroffen habe. Er hat nie Uhrmacherei gelernt, sondern sich alles von Grund auf selber beigebracht, total irre.

2. Sie waren zuvor sieben Jahre bei JLC und wurden mit 31 Jahren bereits CEO der Marke “Harry Winston, Inc. Rare Timepieces” mit Sitz in Genf. Sie hatten alle Möglichkeiten, in der Uhrenbranche bei den etabliertesten Marken eine große Karriere hinzulegen. Warum haben Sie sich für die riskante Variante der Selbstständigkeit entschieden?


Nun ja, es mag sich etwas komisch anhören, aber es war und ist heute noch wie Psychotherapie für mich. Als ich Manager bei Jaeger-LeCoultre war, rief mich eines Tages ein Headhunter an und bot mir die Position als Geschäftsführer bei Harry Winston Timepieces an. Obwohl ich eigentlich ziemlich glücklich bei Jaeger war, konnte ich diese Chance nicht ausschlagen. Was eigentlich die beste Zeit meines beruflichen Lebens werden sollte, entpuppte sich als ein einziger Albtraum. Harry Winston Timepieces war im Jahr 1998 im Grunde genommen pleite. Eine Woche nachdem mein Vertrag unterschrieben war, wurde Harry Winston zum Verkauf freigegeben. Sie überließen mir das Desaster und sagten nur: „bring es in Ordnung“.

1998 und 1999 waren die schlimmsten zwei Jahre meines beruflichen Lebens. Aber wir haben es geschafft, Harry Winston wieder zurück auf die Landkarte der wichtigen Uhrenmarken zu setzen, wo die Marke auch mit ihrem Schmuck einen gewissen Bekanntheitsgrad genoss. Aber je größer die Firma wuchs, desto weniger Spaß hatte ich. Obwohl ich ein junger und erfolgreicher CEO war, konnte ich nicht stolz auf mich sein, da der kleine kreative Junge von einst ausgestorben war. Stattdessen wurde ich zu einem Dienstleister, der Produkte erschuf, die eine möglichst große Zielgruppe ansprechen und damit möglichst viel Gewinn erzielt. Nun ja, dafür wurde ich schließlich auch bezahlt. Aber ich ekelte mich schon fast vor mir selber, da ich von Produkten umgeben war, die mir nicht mal gefielen.

Ich habe dann für ein paar Jahre im Geheimen meine eigene Marke aufgebaut, wo ich endlich mit Freunden zusammenarbeiten konnte, die dieselben Werte wie ich teilen und habe letztendlich meinen Job gekündigt, zum Entsetzen meines Chefs und seinen Partnern. Zu der Zeit redeten alle auf mich ein, wie schwer es für mich werden wird und ich fragte mich sogar selber: „wer um Himmels Willen möchte schon solche mechanischen Kreationen kaufen?“. Aber wenn du dich in etwas verliebst, dann kümmern dich die Konsequenzen nicht. Du machst einfach weiter, was dein Herz berührt und schneller schlagen lässt.

3. Felix Baumgartner, einer der Gründer der Independent Brand Urwerk lebte anfangs in einem abgelegenen Gebäude ohne Wasser und Strom – jeder verdiente Pfennig ging zurück ins Produkt. Waren die Umstände bei Ihnen anfangs ähnlich dramatisch?


Glücklicherweise hatte ich meine Wohnung noch. Aber obwohl ich etwas Geld zur Seite gelegt hatte, war es bei Weitem nicht genug, um die Marke zu etablieren. Im Jahr 2005 gelang es mir allerdingst, sechs Händler davon zu überzeugen, mir zwei Jahre im Voraus ein Drittel ihrer ersten Bestellung zu zahlen. Das hat weitere 700.000 Schweizer Franken in die Firma gespült. Ende 2006 wollte ich mein erstes Produkt ausliefern. Aber das Subunternehmen, das für mich die Werke baute sowie die Geräte zur Montage der Werke herstellte, wurde im Mai 2006 an eine Firma verkauft. Und es wurde schnell klar, dass diese Firma keine Werke für Dritte herstellen wollte. Sie können sich vorstellen, wie verzweifelt ich war.

Ich erinnere mich noch genau an das Datum. Am 8. Januar 2007 entschied sich mein Lieferant dafür, die Montage meiner Werke einzustellen. Bei diesem Treffen war zufälligerweise auch der Uhrmacher Peter Speake-Marin dabei, der die Uhr mit mir zusammen entwickelt hatte. Er besaß ein starkes Netzwerk und konnte fünf Jungs gewinnen, die mir dabei halfen, meine Werke zusammenzubauen. Einer von ihnen war Stephen McDonnell, ein brillanter Uhrmacher aus Nordirland.

Dann tauchte aber schon das nächste Problem auf. Uns fehlten 50 der 365 Werksteile und ich hatte keinen Bauplan. Wir mussten all diese Komponenten neu machen lassen und es dauerte letztendlich sechs Monate, um zwei Werke zusammenzubauen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber schon so ziemlich das gesamte Geld ausgegeben, das ich im Vorfeld erhalten hatte. Ich dachte mir nur, wenn ich jetzt pleite gehe, verbringe ich den Rest meines Lebens damit, den Händlern ihr Geld zurückzuzahlen. Aber wir schafften es, die ersten beiden Stücke der HM1 in der zweiten Juniwoche auszuliefern und die Händler zahlten mir die übrigen 65%. Aber dadurch, dass ich bereits den ersten Teil verpulvert hatte, war meine Marge weg. Irgendwie habe ich überlebt und im Jahr 2008 schien es bergauf zu gehen – bis im September 2008 Lehman Brothers kollabierte. Lange Rede kurzer Sinn: Ich musste mich zwar nie in öffentlichen Toiletten waschen wie Felix, aber wir hatten beide unseren gerechten Anteil an Albträumen. Wir hatten vier wirklich harte Jahre, 2007, 2008, 2012 und 2014 jeweils aus ganz verschiedenen Gründen. Seit 2014 heißt es aber Rock’n’Roll.

- Mit welchen finanziellen Mitteln konnten Sie denn die Marke MB&F aufbauen? Hatten Sie jemals externe Investoren?

Nie. Innerhalb von 14 Jahren haben wir 16 Kaliber entwickelt und nur mit meinem Ersparten finanziert. Wir hatten dafür nie Geld von einem Investor. Wir haben nie Verluste gemacht, aber wir haben auch nie wirklich nennenswerten Profit gemacht. Das ist ein Leben am Limit…

4. Was war Ihre erste Erfahrung mit mechanischen Uhren?


Meine erste Uhr bekam ich von meinen Eltern mit 8 Jahren, soweit ich mich erinnere. Mein Vater und ich hatten eine Art Routine entwickelt. Jeden Abend, wenn er an mein Bett kam um mir gute Nacht zu sagen, haben wir zusammen meine Uhr aufgezogen. Ich legte sie dann unter meine Nachttischlampe, so dass sie nachts schön leuchtete.

- Sammeln Sie Uhren von anderen Marken?

Aber natürlich. Ich habe gerade erst ein paar großartige Vintage Uhren von Longines mit Zifferblättern und Gehäusen aus den 1950er und 1960er Jahren bei einer Auktion gekauft. Kürzlich habe ich mir auch eine Uhr von einem jungen Uhrenmacher namens Clement Gaud besorgt, der die Marke L’Aventure gründete. Ich besitze aber auch eine Voutilainen, eine Urwerk, eine Sarpaneva und wann immer ich sie trage, muss ich nicht nur an das Stück denken, das wir zusammen entworfen haben, sondern auch, dass diese Jungs ihr Leben einer Sache gewidmet haben, die sie lieben. Ich trage nicht nur ein wunderbares Stück Uhrmacherei, sondern auch ein Stück von ihrem Leben und ihrer Seele.

5. Woher holen Sie sich die Inspiration für neue Uhren bzw. Maschinen? Und warum eigentlich Maschinen und nicht Uhren?


Nun ja, Uhren sind dazu da, die Zeit anzuzeigen. Und ich bin nicht für die Zeit zuständig. Bei MB&F kreieren wir mechanische Skulpturen, Kunstwerke, die nun mal auch die Zeit anzeigen. Daher wollte ich sie auch anders nennen, allerdings bin ich ziemlich schlecht mit Namen. Als ich an meiner ersten HM1 arbeitete, entdeckte ich in einem Concept Store ein Parfüm von Andree Putman namens ‚Preperation Parfumée‘. Das war der schlichte Titel: Parfüm Zubereitung. Daraus ist dann ‚Horological Machine‘ entstanden.

Um aber Ihre Frage zu beantworten, meine Inspiration stammt hauptsächlich aus meiner Kindheit, in der ich die meiste Zeit alleine war. Und wenn du alleine bist, brauchst du eine verdammt gute Phantasie um zu überleben. Also stellte ich mir vor, Luke Skywalker oder Captain Kirk zu sein. Meine ganze Kindheit lang wollte ich ein Autodesigner sein und statt mit Mädchen zu sprechen, habe ich lieber gezeichnet und entworfen. Ich habe mir einmal mit 16 den Spaß gemacht und gesagt, dass mein bester Freund Commodore 64 heißt – das war natürlich nur mein erster Computer.

6. Erklären Sie uns das Konzept hinter der M.A.D. (Mechanical Art Devices) Gallery. Kann man eigentlich MB&F noch eine Uhrenmarke nennen?


Dazu muss ich Ihnen eine Anekdote erzählen. Wir haben die M.A.D. Gallery in Genf am selben Tag eröffnet, als wir die Legacy Machine One launchten. Davor gab es nur die ‚Horological Machines‘. Ich war mit dem Dilemma konfrontiert, dass einige Händler zu meinen verrückten Skulpturen sagten: „Das ist doch keine Uhr“. Und ich sagte ihnen: „Das ist richtig, es ist Kunst“. Also zeigte ich meine Kreationen diversen Kunstgalerien und sie sagten wiederum, sie würden keine Uhren verkaufen. Da niemand so richtig meine Arbeit einordnen konnte kam mir die Idee, eine Art Hybrid Konzept der ersten mechanischen Kunstgalerie ins Leben zu rufen. Es funktioniert im Prinzip wie eine Dekodierungsmaschine, welche die Marke MB&F erklärt. Vielleicht verstehen die Menschen meine Maschinen nicht, aber wenn ich ihnen die vielen verschiedenen mechanischen Künstler zeige, verstehen sie vielleicht was ich tue, denn wir haben dieselben Denkansätze. Übrigens sind die M.A.D. Kreationen nicht nur als Dekoration gedacht, es ist eine echte Galerie, wo wir jeden einzelnen Künstler den wir kuratieren auch unterstützen.

- M.A.D. Galleries gibt es bereits in Genf, Taipeh, Dubai und Hong Kong… wann kommen London, New York, Tokyo?

Ich hoffe, es wird sie eines Tages gebe, aber ich muss dafür auch die richtigen Leute finden. Das sind keine Geschäfte, um damit das große Geld zu machen. Man braucht vielmehr eine Leidenschaft und Bereitschaft und muss sie für das lieben, was sie sind.

7. Erklären Sie Ihre Kollektionen Horological Machines, Legacy Machines und Performance Art mit Ihren eigenen Worten. Wie reflektiert jede dieser Kollektionen Ihre Persönlichkeit?


Als ich meinem Team zum ersten Mal die Legacy Machine zeigte, waren sie schockiert. Warum? Weil das Stück für sie nicht meine Vorstellung von Uhrmacherei verkörperte. Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich realisierte, dass ich meine Liebe für die traditionelle Uhrmacherei zum Ausdruck bringen musste. Nur weil ich ziemlich verrückte Zeitmaschinen herstelle heißt nicht, dass ich nicht auch die traditionelle Uhrmacherei verehre. Ich bin allerdings kein allzu großer Fan von Uhrmacherei aus dem 20. Jahrhundert. Mir wird hier zu viel Fokus auf Leistung, Marketing und Kosten-Effizienz gelegt. Die echte Uhrmacherei fand im 18. Und 19. Jahrhundert statt, indem auch alle wichtigen Komplikationen erfunden wurden, die wir auch heute noch nutzen. Die ‚Legacy Machine‘ ist also eine zu 100% analytische Kollektion und eine Konsequenz meiner Liebe für traditionelle Uhrmacherei.

Die ‚Horological Machines‘ sind ein komplett anderes Konzept. Sie sind ein kreativer Ausbrauch, bei dem ich mich auszudrücken versuche. Sie sind weniger analytisch, dafür instinktiv und animalisch.

‚Performance Art‘ ist wieder ein ganz anderes Tier. Es entsteht, wenn ich eines meiner Stücke einem Künstler gebe und ihm sage: „Viel Spaß damit“. Es brauchte einige Zeit, bis ich mich daran gewöhnt hatte, denn bis dahin ging es immer nur um mich – „es ist meine Geschichte, meine Kreation“. Aber irgendwann sah ich darüber hinweg und startete meine erste Zusammenarbeit mit dem Designer Alain Silberstein, den ich bei einem Abendessen in Singapur kennenlernte. Das war im Jahr 2007. Ich fragte ihn, ob er eines meiner Stücke umgestalten möchte – wir blieben im Kontakt und 2009 präsentierten wir die großartige HM2.2 Black Box – sie ist auf lediglich 8 Stück limitiert.

8. Sie haben schon mit vielen namhaften Persönlichkeiten wie Kari Voutilainen oder L’Epée zusammengearbeitet. Gibt es einen Uhrmacher aus dem 18. oder 19. Jahrhundert, mit dem Sie besonders gerne einmal zusammengearbeitet hätten?


Das ist eine schwere Frage. Es gab so viele großartige Uhrmacher zu dieser Zeit. Aber ich glaube, es wäre Ferdinand Berthoud gewesen, der ein absolutes Genie war. Er war ein schrecklicher Unternehmer, aber dafür ein unglaublicher Uhrmacher, der so viele andere großartige Uhrmacher nach seiner Zeit inspirierte. Ihm wird die Erfindung des ersten Werkes mit zwei Unruhen zugeschrieben, dem ich meine Legacy Two gewidmet habe.

9. Die Lab von MB&F befindet sich in Genf. Sie leben aber in Dubai. Warum ist für Ihre Marke der Standort Schweiz und für Sie persönlich Dubai so wichtig?


Also zuerst einmal bin ich ja in der Schweiz aufgewachsen. Ein weiterer Grund, warum ich MB&F in Genf etabliert habe ist, dass ich davor bei Harry Winston arbeitete, die in Genf ansässig waren. Ich hatte dort das beste Netzwerk um erfolgreich ein Unternehmen aufzubauen.

Als meine Frau dann schwanger wurde, entschieden wir uns nach Dubai zu ziehen. Ich befürchtete, dass ich meine Tochter nicht aufwachsen sehen würde, wenn ich in der Nähe der Firma lebte. Außerdem bietet Dubai eine perfekte Infrastruktur, um ganz einfach jeden Ort der Welt zu erreichen. Wir wussten nicht, ob es alles so funktioniert aber wir haben es versucht und fünf Jahre später sind wir immer noch glücklich dort. Die Firma hat ihre besten fünf Jahre hinter sich und ich habe das Glück, meine Töchter aufwachsen zu sehen.

10. Warum wollen Sie eigentlich mit der Brand MB&F seit 2013 nicht mehr weiterwachsen?


Es gibt zwei entscheidende Gründe dafür. Ich führe eine Firma ohne mittlere Führungsebene. Wir sind fünf Direktoren und 21 gleichgestellte Mitarbeiter. Insofern macht jeder einzelne in meiner Firma etwas Sinnvolles. Es gibt niemanden, der dafür bezahlt wird nichts zu tun, also einfach nur andere Leute zu managen. Wenn sie morgens anfangen zu arbeiten, können sie bereits nachmittags erste Resultate sehen. Es gibt ihnen eine gewisse Sinnhaftigkeit und Stolz. Ich denke, es ist einer von vielen Gründen, warum sie sich bei MB&F wohlfühlen. Ich möchte keine mittlere Führungsebene, darum kann ich auch nicht wachsen.

Ein weiterer Grund ist, dass ich meine Kinder aufwachsen sehen möchte. Mein Vater konnte das nicht und ich möchte nicht denselben Fehler machen. Das passiert aber, wenn ich mit der Firma weiter wachse. Mein Ziel war es, ein jährliches Einkommen von 15 Millionen Schweizer Franken zu erreichen, was im Jahr 2013 der Fall war und seitdem sind wir bewusst nicht weiter gewachsen. Meine Kinder haben dabei eine entscheidende Rolle gespielt. Bevor meine erste Tochter geboren wurde, habe ich keinen Ausgleich im Leben gebraucht. Ich konnte locker drei Stunden mehr arbeiten, und dafür drei Stunden weniger schlafen – es drehte sich in meinem Leben alles um die Arbeit.

11. Sie sind persönlich auch in Sozialen Medien ziemlich aktiv. Welche Rolle spielt dieses Medium für so eine kleine Marke wie MB&F und wie erreichen Sie Ihre (potenziellen) Kunden in erster Linie?


Ich glaube, wir waren eines der ersten Unternehmen mit einem Facebook Account, später dann Instagram. Das begann vor neun Jahren. Es war unwahrscheinlich wichtig, da es den Kunden und uns die Möglichkeit gab und immer noch gibt, direkt im Austausch zu stehen, Fragen zu stellen und zu reagieren. Und bis vor Kurzem war es sogar umsonst. Die meisten großen Marken nutzen eine sehr allgemeine Unternehmenskommunikation für ihren Social Media Auftritt. Aber keiner möchte werblich generierten Content lesen. Wir haben eine glaubwürdige Interaktion auf unserem Account, da wir uns so geben wie wir sind, authentisch, ehrlich und stets mit einem guten Sinn für Humor.

12. In welche Richtung bewegt sich Ihrer Meinung nach die Uhrenindustrie?


Es scheint, als hätten wir eine bipolare Industrie heutzutage. Wir haben einige große Instanzen, die immer größer werden, aber gewöhnlich recht wenige kreative Risiken eingehen. Wenn sie versuchen innovativ zu sein, sind es meistens recht fundamentale technische Ansätze, die ihre Produkte präziser oder zuverlässiger machen, also die Leistung ihrer Werke verbessern. Auf der anderen Seite stehen die kleinen unabhängigen Brands, die eine unglaubliche Quelle der Inspiration sind und die wildesten Stücke kreieren. Einerseits wird alles immer industrieller und auf der anderen Seite bewahren wir menschengemachte Handwerkskunst. Wir gravieren all unsere Brücken von Hand, genauso wie wir alles noch von Hand anglieren. Aber eines ist klar, ohne die großen Jungs gäbe es uns nicht. Sie sind es, die letztendlich den Kunden erklären, dass sie in eine mechanische Uhr investieren sollen. Wir müssen uns dafür dankbar zeigen. Statistisch gesehen verkaufen wir eine unserer Uhren für jede 500.000. Uhr, die sie verkaufen.