Lunch With Montblanc Ceo Nicolas Baretzki

Auf ein Lunch mit: Montblanc CEO Nicolas Baretzki

Montblanc CEO Nicolas Baretzki ist mit Uhren aufgewachsen, lenkt aber die Geschicke einer der traditionsreichsten Unternehmen für Schreibgeräte. Bei der Herstellung beider Produktsparten sieht er starke Parallelen, insbesondere bei der Handwerkskunst, die sowohl bei den Schreibgeräten als auch bei den Uhren auf jahrelanger Erfahrung beruht. Die wachsende Digitalisierung sieht Baretzki als Chance für eine neue Wertschätzung für Produkte, die mit Liebe zum Handwerk und Innovationsgeist hergestellt werden. Bei unserem gemeinsamen Treffen in Hamburg erzählt uns Baretzki, warum er trotzdem den Markt der Smart Watches erobern möchte, wie man einen technisch anspruchsvollen Monopusher Chronographen für unter 5.000 Euro anbieten kann und warum eine Traditionsmarke wie Montblanc das Erbe Minerva's als Quelle der Inspiration braucht.

1. Was bedeutet für Sie eine mechanische Uhr, welche Uhr tragen Sie heute und welches Modell tragen Sie am häufigsten?


Für mich ist eine Uhr ein lebender Mechanismus. Es geht um Emotionen, um Herzklopfen aber auch um Handwerkskunst und die Geschichten, die sie erzählen. Ich stamme aus einer Uhren-Einzelhandelsfamilie, daher bin ich mit Uhren aufgewachsen und entwickelte schon früh eine Leidenschaft für sie. Mechanische Uhren bedeuten für mich nicht einfach nur einen bestimmten Status zu symbolisieren, es geht für mich um die persönliche Beziehung, die ich zu ihnen entwickle.

Heute trage ich den 1858 Monopusher Chronograph mit unserem manufaktureigenen Kaliber MB M13.21. Ich liebe Uhren, die einzigartig sind. Es muss nicht unbedingt eine teure Uhr sein. Dieser Chronograph ist einzigartig, einfach schon, weil er von Minerva ist und wir davon nur eine limitierte Stückzahl mit diesem großartigen Uhrwerk produzieren. Ich trage allerdings auch die 1858 Geosphere sehr gerne, da ich ihren Stil liebe. Ich bin fast sicher, dass sie eine neue Ikone bei Montblanc wird. Wenn ich diese Uhr trage, fühle ich mich einzigartig.

2. Wie wichtig sind Schreibgeräte für einen CEO, der so tief in der Uhrenindustrie verwurzelt ist?


Die Wurzeln der Marke Montblanc liegen ganz klar bei ihren Schreibgeräten. Die Herangehensweise bei der Produktion von Schreibgeräten und Uhren ist sehr ähnlich. Es geht um das Kunsthandwerk und Innovationen. Vergleicht man die Manufaktur in Hamburg, wo wir unsere Schreibgeräte produzieren mit einer Uhrenmanufaktur, erkennt man schnell die Parallelen bei den Prozessen und Maschinen zu einer Uhrenmanufaktur. Wenn Sie liebevoll gemachte Produkte schätzen, die von einer langen Tradition und Innovationsgeist geprägt sind, werden Sie wohlmöglich beides mögen, unsere Schreibgeräte und Uhren.

3. Montblanc betreibt rund 280 Boutiquen in 130 Ländern. Sind in Zukunft weitere Eröffnungen geplant oder sollen die bestehenden Boutiquen erst einmal grundlegend modernisiert werden?


Zuerst muss man sich bewusst werden, um was es bei Montblanc geht. Und die Strategie von Montblanc lag immer darin, die bestmögliche Kundenbeziehung zu garantieren. Wir wollen so nah wie möglich an unseren Kunden dran sein. Darum haben wir auch recht früh ins Ausland expandiert. Wir waren das erste Unternehmen, das vor 25 Jahren Luxusgüter nach Indien importiert hat. Wir waren eines der ersten Luxusmarken in Brasilien sowie in China, wo wir schon früh eine Tochterfirma gründeten. Wir wagten diese Schritte, weil uns die Nähe zum Kunden so wichtig war. Daher zählen wir inzwischen auch 280 Boutiquen weltweit. Genau genommen haben wir sogar um die 600 Verkaufspunkte, zählt man die Franchise Partner mit. Bevor wir aber weitere Eröffnungen planen ist die Herausforderung erstmal, einen konstant guten Service bei all diesen Verkaufspunkten zu garantieren.

4. Bei der hohen Anzahl an Boutiquen kommt der Eindruck auf, dass Ihre Kunden lieber offline statt online einkaufen. Was ist der Grund dafür?


Ich habe nie online und offline gegeneinandergestellt. Beide gehen nämlich Hand in Hand. Wir investieren eine Menge in die Erlebnisse, die unsere Kunden erfahren können, wenn sie eine unserer Boutiquen besuchen. Wir wissen zum Beispiel aus der Sicht unserer Kunden wie schwer es ist, das richtige Armband zu finden. Unser enormes Netzwerk ermöglicht es uns aber, eine große Auswahl an unterschiedlichen und extravaganten Bändern in unseren zahlreichen Boutiquen anzubieten. Wir haben ein Boutique Konzept entworfen, bei dem unsere Kunden eine neue Feder oder eine neue Tinte testen können. Wir bieten auch eine Personalisierung unserer Lederprodukte an. Wir stecken wirklich viel Zeit und Geld in unsere Boutiquen da wir stark daran glauben, dass diese Erlebnisse vor Ort in unseren Läden stattfinden müssen, nicht online. 60-70 Prozent unserer Schreibgeräte werden hauptsächlich in unseren Stores personalisiert.

Mein Ziel ist es, allen Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden und es ihnen so einfach und bequem wie möglich zu machen – egal ob sie sich online oder offline orientieren. Jeder Kunde hat sein ganz persönliches Einkaufsverhalten. Manche Kunden wissen auch ohne Beratung genau was sie wollen – manche Kunden möchten entdecken und inspiriert werden und suchen daher nach einer persönlichen Beratung.

5. Welche Kommunikationskanäle sind der Marke Montblanc heute besonders wichtig und wie verändern sie sich in der Zukunft?


Wie bereits erwähnt, die enge Beziehung zu unseren Kunden bleibt der Mittelpunkt unserer Strategie. Das Hauptaugenmerk liegt daher auf unseren Boutiquen und allen Kontaktpunkten, die wir mit ihnen haben, wenn sie reisen. Denn wir haben ein großes Netzwerk an Flughafen Boutiquen. Man findet uns außerdem in zahlreichen Luxus-Kaufhäusern. Unsere Kunden können uns dank unseres flächendeckenden Netzwerkes leicht finden.

Online bietet uns neue Wege unsere Geschichte zu erzählen. Montblanc ist ein enorm dynamisches Unternehmen mit so vielen spannenden Neuigkeiten, die wir mit einem Großteil unserer Kunden weltweit online teilen können.

Auf der anderen Seite entwickelt sich auch der Onlinehandel rasant – unsere Kunden können unsere Produkte online direkt von Montblanc erwerben, egal wo auf der Welt sie sich gerade befinden. In der Zukunft werden wir daher beides ausbauen, die Erlebnisse in unseren Boutiquen sowie den Onlinehandel.

6. Ist das Konzept einer Uhrenmesse wie SIHH noch zeitgemäß und nachhaltig für eine Marke wie Montblanc?


Ja, ohne Zweifel. Als ich vor 25 Jahren in der Uhrenbranche angefangen habe, war es noch eine Messe für die wichtigsten Einzelhändler. Heute wird es immer mehr zu einer Endverbraucher-Messe. Für uns bleibt es weiterhin eine großartige Gelegenheit, all unsere Neuheiten in wenigen Tagen der ganzen Welt zu präsentieren und während dieser Zeit einen intensiven Austausch zu erleben. Solange der Kunde und jeder Uhrenliebhaber Teil der Messe werden kann, sehe ich eine Zukunft. Wenn Sie an Uhren interessiert sind, können Sie die renommiertesten Uhrenmarken an einem einzigen Ort entdecken. Und zwar nicht nur hinter einer Fensterscheibe – Sie können mit den Marken und ihren Machern in Kontakt treten und sich austauschen.

7. Könnte die Digitalisierung eine positive Gegenreaktion hinsichtlich mechanischer Uhren auslösen? Da durch die zunehmend technische und schnelllebige Welt mehr Menschen wieder verstärkt analoge Produkte zu schätzen wissen?


Das ist ein guter Punkt. Bei den Schreibgeräten macht es sich auf jeden Fall bereits bemerkbar. Je digitaler die Welt wird, desto mehr Menschen möchten ein richtiges Schreibgerät besitzen. Das gilt sicherlich auch für Uhren. Die Nachfrage nach echter Handwerkskunst und haptischen Produkten wächst. Es gibt keinen Grund, warum die Digitalisierung das verhindern sollte. Vor 40 Jahren hat jeder gedacht, dass der Fernseher das Radio ersetzen wird, was nicht passiert ist. Beide ergänzen sich schließlich.

8. Ihnen ist die Kommunikation der Minerva Geschichte enorm wichtig. Das 160-jährige Jubiläum der Manufaktur war die ideale Gelegenheit dafür. Warum ist Minerva so wichtig für eine Marke wie Montblanc, die selber eine so langjährige Geschichte hat?


Minerva dient als alleinige Quelle der Inspiration für alle Uhren-Kollektionen bei Montblanc. Wenn man die einmalige Gelegenheit bekommt, eine 160 Jahre alte Manufaktur zu besitzen wäre es fast ein Verbrechen, dies nicht zu nutzen. Man kann von so vielen Geschichten, Design- und Technik-Elementen schöpfen. Jede Kollektion bei Montblanc ist gleich aufgebaut. Jede Kollektion hat ihr Flaggschiff-Produkt – zum Beispiel in der 1858 Kollektion der Monopusher Chronograph oder das Suspended Exo Tourbillon in der Star Legacy Kollektion, oder die ‚Doktor Uhr‘, also der Pulsograph aus der neuen Heritage Kollektion, die wir gerade auf der SIHH Uhrenmesse 2019 präsentiert haben. Sie besitzen zu 100% Minerva Uhrwerke, die allesamt in Villeret hergestellt werden und gewöhnlich bei rund 25.000 Euro starten. Dann haben wir die zweite Säule, auch Flaggschiff-Uhren, die aber in erster Linie eine Geschichte erzählen. Zum Beispiel die Nicolas Rieussec aus der Star Legacy Kollektion mit ihrer beachtlichen Geschichte. Nicolas Rieussec hat 1821 den ersten Tinten-Chronographen erfunden, wovon die Kollektion inspiriert ist. Und die dritte Säule der Kollektion besteht aus unseren Basis Modellen, die unser Hauptgeschäft ausmachen und sich im Preissegment zwischen 2.000-5.000 Euro bewegen. Hier bieten wir feine Uhren mit Charakter, die aber natürlich kein manufaktureigenes Minerva Werk besitzen. Wir werden auch weiterhin das Erbe von Minerva nutzen und unsere Kollektionen nach diesem Prinzip aufbauen.

9. Die Geschichte von Minerva geht weiter. Bei der SIHH Uhrenmesse 2019 haben sie eine neue Heritage Kollektion vorgestellt, die von den Minerva Armbanduhren der 1940er und 1950er Jahren inspiriert ist. Wird es eines Tages wieder Uhren mit der Aufschrift ‚Minerva‘ geben – unter dem Signet von Montblanc?


Nein. Wir hatten zwar in der Vergangenheit zwei verschiedene Design-, Management- und Entwicklungs-Teams für unsere beiden Standorte in Villeret und Le Locle, aber vor einigen Jahren haben wir beide Teams zusammengeführt. Minerva ist Montblanc und Montblanc ist Minerva. Wir haben inzwischen ein Design Team, ein Management Team und unterscheiden hier nicht mehr. Wir haben keine Absichten eine neue Marke ins Leben zu rufen – es macht einfach keinen Sinn. Es ist ein und dieselbe Marke.

10. Montblanc überrascht grundsätzlich mit einer attraktiven Preislage für hochwertige mechanische Uhren. Bei der Uhrenmesse haben Sie gerade erst einen neuen Monopusher Chronographen mit einem neuen exklusiven Basis Kaliber für unter 5.000 Euro vorgestellt. Wie geht das?


Da unser Hauptgeschäft in einem Preissegment zwischen 2.000-5.000 Euro liegt, wollten wir auch einen Monopusher Chronographen zu einem attraktiven Preis anbieten. Wir haben daher einen exklusiven Einjahresvertrag mit dem renommierten Uhrwerkshersteller Sellita abschließen können und sind damit derzeit die einzigen, die das Kaliber SW510 auf dem Markt anbieten können. Wir haben diese Strategie vor fünf Jahren gestartet mit einem klaren Fokus auf dieses Preissegment und erweitern das Angebot nun mit neuen technischen Elementen.

11. Auf der einen Seite bauen Sie stark auf das Erbe von Minerva in Villeret um authentische Uhren zu produzieren (wie der Montblanc 1858 Monopusher Chronograph limited edition), und auf der anderen Seite bieten Sie nun auch Smart Watches an (Summit 2). Wie können Sie diese Entscheidung gegenüber Ihrem Kunden rechtfertigen und was ist die größte Herausforderung dabei glaubwürdig zu bleiben?


Ich habe kein Problem damit Beides anzubieten. Wie bereits erwähnt, stehen für mich offline und online nicht im Gegensatz, genauso wenig wie analog und digital. Das Smart Watch Segment wächst stark und Montblanc ist ein innovatives Unternehmen mit verschiedenen Expertisen. Wir haben unsere Schreibgeräte, die Lederprodukte, unsere Uhren und jetzt ergänzen wir das Angebot mit Smart Devices (Smart Watches und Augment Paper). Ich denke diese Vielfältigkeit gibt uns die Legitimität experimentell zu sein. Ich bin wirklich der Meinung, dass wir dieses Segment erobern können. Unsere Smart Watch steht nicht in Konkurrenz mit unseren mechanischen Uhren. Ich habe bislang noch nie von einem Kunden gehört, der sich nicht zwischen einer Smart Watch oder einer mechanischen Uhr entscheiden konnte. Es gibt eine Kundschaft für das eine, sowie für das andere Produkt. Sie ergänzen sich sogar eher, da wir Kunden haben die eine mechanische Uhr besitzen und dennoch gerne zu gewissen Gelegenheiten eine Smart Watch tragen. Wir wollen trotzdem immer stets unserem Luxusorientierten Anspruch gerecht werden und in jedem Segment die bestmögliche Qualität anbieten. Unsere Smart Watches sind auf dem aktuellsten Stand und sind mit der neusten Technologie sowie unseren hochwertigen Lederbändern ausgestattet. Und wir bieten noch mehr: die Gehäuse unserer Summit Smart Watches werden in der Schweiz hergestellt: Swiss made also.

12. In welche Richtung bewegt sich Ihrer Meinung nach die Uhrenindustrie?


Ich glaube, dass die Kunden in Zukunft anspruchsvoller werden und mehr Qualität für ihr Geld verlangen. Daher haben wir die Strategie bereits vor fünf Jahren implementiert und setzen den Fokus vermehrt auf das Preissegment zwischen 2.000-5.000 Euro. Wir bieten unseren Kunden dafür hochwertige und technisch anspruchsvolle Produkte. Ich denke, dass weitere Uhrenmarken in Zukunft verstärkt auf diese Strategie setzen werden. Auf der anderen Seite ist auch eine starke Nachfrage an exklusiven Produkten zu spüren. Daher werden wir auch hier unser Angebot ausbauen. Um es zusammenzufassen: wir möchten mehr Qualität und Technik für einen attraktiven Preis bieten und der Nachfrage nach exklusiven Produkten gerecht werden.