Swisswatches Iw501005 Iwc Big Pilots Watch Heritage Bronze 025

Fast eine Bronze-Skulptur - die IWC Big Pilot's Watch Heritage

von Alexander Stilcken

Aus Rockstar-Sicht hat die ‚Big Pilot‘ von IWC mindestens zwei Vorteile. Erstens: Auf Tour kann man sie im Hotel problemlos zu einer Nachttischuhr umfunktionieren. So groß ist sie, so kräftig die Leuchtmasse. Zweitens: Sieht man sich eines Tages Fotos von früheren Konzertauftritten an, so reicht ein Blick auf das Handgelenk um zu erkennen wie spät es damals genau war. Erneut gilt: So groß ist sie, so kräftig die Leuchtmasse.

Eine ultimative Tool-Watch also, und zwar nicht nur für Showstars, und auch nicht allein für Piloten. Derart lobend hat sich zumindest John Mayer in der Vergangenheit über dieses in vielerlei Hinsicht besondere Modell geäußert, und auch wenn zumindest die Sache mit den Touraufnahmen eher ein Nischenthema sein dürfte, das für die allermeisten Big-Pilot-Besitzer überhaupt keine Rolle spielt, so muss man seine allgemeine Begeisterung für die Uhr unbedingt respektieren.

Unter den vielen bekannten IWC-Designs ist die ‚Big Pilot‘ eine besonders herausragende Erscheinung, die es inzwischen in zahlreichen Varianten gibt – darunter auch die auf 1.500 Exemplare limitierte Heritage-Variante in einem Gehäuse aus dem Trend-Material Bronze. Da lohnt ein genauer Blick: Ist das noch eine echte Fliegeruhr – oder doch eher ein Fashion-Accessoire?

Grundsätzlich hat das Thema Fliegeruhr bei IWC eine lange Tradition, und kaum eine andere Marke hat es so entschieden und prägend besetzt. Seit 1936 konstruierte man in Schaffhausen speziell für Piloten entwickelte Uhren, was sich auf die Flugbegeisterung der Söhne des damaligen Generaldirektors der IWC zurückführen lassen soll. Inspiration für das, was heute als ‚Big Pilot‘ eines der IWC-Modelle mit dem höchsten Widererkennungswert ist, war die ‚B-Uhr‘ von 1940: Ein übergroßer Zeitmesser für die Bomber-Piloten des zweiten Weltkriegs, der an einem überlangen Armband selbstverständlich über der Jacke getragen werden konnte. Hergestellt in einer Auflage von 1000 Exemplaren. Diese Ur-Große-Fliegeruhr hatte ein Edelstahl-Gehäuse mit einem Durchmesser von 55 Millimetern, und im Inneren waren die Werke von Taschenuhren verbaut.

Seit 2002 ist der Nachfolger dieses Modells, die ‚Big Pilot‘, nun bereits fester Bestandteil der IWC-Kollektion, und damit eines der wenigen Beispiele, bei der die Vintage-Variante doch tatsächlich größer ausfiel als die neuzeitliche Interpretation: 46,2 Millimeter misst die Bronze ‚Big Pilot‘ im Durchmesser, was immer noch perfekte Ablesbarkeit in allen Lebenslagen garantiert, und durchaus als Statement-Uhr bezeichnet werden darf – im Jahr 2019 dann aber auch keine komplett ungewöhnliche Größe mehr ist. Zumal sich die ‚Big Pilot‘ trotz ihres Umfangs auch an schmaleren Handgelenken erstaunlich gut trägt. Angetrieben wird die Uhr vom aktuellen Manufaktur-Kaliber 52110 mit sieben Tagen Gangreserve, die Rückseite ist aus allergiefreundlichem und Haut-Einfärbungen vermeidendem Titan, das Zifferblatt klassisch schwarz und die Zeiger mit einer Leuchtmasse in einem patinesque-gelblichen Ton bestrichen, der mit der Bronze des Gehäuses perfekt harmoniert.

Mit dieser Optik strahlt die Big Pilot’s Watch Heritage, diese ursprünglich auf Funktionalität und Sachlichkeit getrimmte Uhr, den Charme vergangener Zeiten aus. Man könnte auch sagen: Es ist die Vintage-Variante eines Modells, das doch ohnehin schon immer sehr klassisch gestaltet war. Und welchen Nutzen hat eigentlich die Verwendung von Bronze, die sich bekanntermaßen je nach Lebensart und Lebensmittelpunkt verfärbt, für eine Pilotenuhr?

Tatsächlich ist die Bronze ‚Big Pilot‘ in dieser Variante extrem typisch für das Selbstverständnis von IWC im 21. Jahrhundert. „Engineering“ ist eines der Kernworte in der Strategie der Schaffhausener. Man sieht sich einer klaren, vereinfachenden, sachlichen Uhrmacherei verpflichtet. Die Dinge sollen besser und einfacher werden, von unnötigem verkomplizieren hält man herzlich wenig. Gleichzeitig geht es aber auch immer darum selbst Klassiker neu zu interpretieren, und nicht in Tradition zu verharren. Die ‚Big Pilot‘ gab es über die Jahre deshalb schon in Platin- und in Goldvarianten, es gibt sie in Stahl oder eben Bronze, in Varianten aus Titan und Keramik, es gibt sie als klassische ‚Big Pilot‘, aber auch mit Tourbillon, Jahres- oder gar ewigem Kalender.

Diese Vielfalt wirkt dabei nie überkonstruiert, im Gegenteil: Selbst die größeren Komplikationen der Uhrmacherei finden in der Big Pilot einen passenden, sachlichen Rahmen. Zumal man realistisch betrachtet schreiben muss: Ebenso wie die wenigsten Taucheruhren tatsächlich für Tauchgänge genutzt werden, so werden die wenigsten Pilotenuhren jenseits der Wolkendecke im Cockpit getragen. Diesen Klassiker in Bronze zu präsentieren ist also im Großen und Ganzen nicht nur nachvollziehbar – schließlich sind Bronze-Modelle im Moment extrem beliebt – sondern eine optisch äußerst reizvolle Option, wenn man denn Freude an der Idee einer Uhr hat, deren Optik sich über die Jahre mit einem selber verändert. Man ist mit ihr nicht modisch, sondern vielmehr modern.

Obendrein sorgt IWC mit immer neuen Varianten wie der Bronze ‚Big Pilot‘ dafür, dass der erste horologische Gedanke zum Thema Fliegeruhr meist gen IWC führt. Da ist es dann egal, dass die Marktbegleiter von Zenith beispielsweise schon ein paar Jahrzehnte vor den Schaffhausern mit dem Bau von Uhren für Piloten begonnen hatten, und dass auch die ‚Pilot Type 20‘ mit ihrer Zwiebelkrone auf eine nicht nur optisch ähnliche Historie blicken kann. Die große Fliegeruhr schlechthin, die verorten die meisten dennoch bei den Experten von IWC, die das Thema fest besetzt haben: Gleich eine ganze Reihe neuer Flieger-Modelle wurden dieses Jahr vorgestellt, und ganz aktuell unterstützt man von Schaffhausen aus die Weltumrundung der „Silver Spitfire“, eines restaurierten Weltkrieg-Jagdfliegers.

Mit dieser, sich bis ins 21. Jahrhundert nachvollziehbaren Passion, ist die 13.300 Euro teure Big Pilot in Bronze dann auch durchaus etwas ganz Besonderes: Eine Uhr, die der Vergangenheit extrem verbunden ist. Die in ihrem Grund-Design nicht funktionaler sein könnte, und zugleich in dieser Variante nicht zeitgemäßer. Zumal die Bronze-Ausführung auch ein geradezu poetisches Versprechen innehält: Wie sie sich in Zukunft präsentiert und wie sie das Leben verändert? Das mag niemand mit Präzision zu sagen. Aber diese Bronze-Skulptur ist ein mehr als geeignetes Instrument, um in dieser unbekannten Zukunft zuverlässig den Takt anzugeben. Eine Uhr, die selbst in dunkelster Nacht für den Betrachter da ist – hoch oben in der Luft, aber auch auf der ganz alltäglichen Bühne des Lebens.

www.iwc.com

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